Snailmail – Warum Brieffreunde jetzt wieder modern sind

Meine letzte Brieffreundin hatte ich in der 6. Klasse. Sie hieß Cecile, kam aus Frankreich und da sich meine Französischkenntnisse sehr in Grenzen hielten, bestanden unsere Briefe vor allem aus Berichten über das Wetter und unseren Schulalltag. Trotzdem ich liebte es, Briefe von ihr zu bekommen. Sie dekorierte die Umschläge mit bunten Stickern und kleinen Zeichnungen und ich lief jeden Morgen aufgeregt zum Briefkasten, um zu schauen, ob der Briefträger diesmal etwas für mich gebracht hatte.

Über die Jahre verlief sich die Brieffreundschaft zu Cecile. Aber meine Liebe zu Post blieb. Von nun an beschränkte sie sich allerdings auf Urlaubspostkarten und Weihnachtsgrüße. Bis ich letztes Jahr auf Instagram über einen Hashtag stolperte: #snailmail. Darunter finden sich die schönsten Briefe, die ich je gesehen hatte. Ich war direkt fasziniert.

Was bedeutet Snailmail?

Snailmail kommt aus dem Englischen und bedeutet Schneckenpost. Der Begriff wird von Leuten weltweit für die Kunst des Briefeschreibens verwendet und feiert die Langsamkeit, also das Schneckentempo eines analogen Briefes. Dabei gibt es viele Variationen, doch die meisten Anhänger der sogenannten “Snailmail Revolution” #snailmailrevolution geben sich viel Mühe ihre Briefe in kleine Kunstwerke zu verwandeln.

Wie finde ich Brieffreunde?

Ich war fasziniert von diesem Trend, der mir bisher so völlig entgangen war, und wollte unbedingt auch so schöne Briefe schreiben und erhalten. Wie sollte ich vorgehen? Unter meinem Freunden sind zwar auch viele kreative Köpfe, aber den meisten reicht es, einmal im Jahr Postkarten aus dem Urlaub zu schicken. Ich stand also vor der großen Frage: Wie finde ich als Erwachsener neue Brieffreunde?

Brieffreunde über Instagram finden

Instagram ist voll von kreativen Briefeschreibern, die ihre Kreationen auf ihren Profilen hochladen. Unter den Hashtags #penpalswanted und #penpalsearch finden sich viele Gesuche nach neuen Brieffreunden. Das Schöne daran ist, dass man durch die Bilder direkt die Ästhetik des anderen sehen kann.

Brieffreunde über Webseiten finden

Eine weitere Möglichkeit bieten Portale, die sich speziell auf die Vermittlung von Brieffreundschaften spezialisiert haben. Ich habe mich damals auf der Seite Snailmailpenpals.net angemeldet, die jedoch seit dem 10. Januar 2021 leider nicht mehr weitergeführt wird. Es gibt aber einige Alternativen, die beispielsweise Global Pen Friends. Der Vorteil von solchen Portalen ist es, dass man potentielle neue Brieffreunde direkt nach Alter, Geschlecht oder Herkunftsland filtern kann.

Brieffreundschaften mit Senioren

Viele Menschen können aufgrund ihres Alters, Krankheiten oder anderen Gründen nicht mehr so am öffentlichen Leben teilnehmen wie andere. Die Organisation Stift und Papier vermittelt deshalb Brieffreundschaften mit Senioren und bringt so Generationen über Briefe miteinander in Kontakt. Über die Webseite kann man sich ganz einfach per Mail registrieren und bekommt dann die Adresse seines neuen Brieffreundes oder seiner Brieffreundin per E-Mail zugesendet. Und schon kann es losgehen. Es kann sein, dass man nicht immer eine Antwort auf seinen Brief bekommt, aber dem Empfänger hat man dennoch garantiert eine Freude bereitet.

Der erste Kontakt mit potentiellen Brieffreunden

In den meisten Fällen findet der erst Kontakt mit den potentiellen neuen Brieffreunden online statt, sei es über eine Webseite oder Social Media. Ich war damals so motiviert, dass ich parallel sehr viele Nachrichten verschickt habe. Ich wollte unbedingt loslegen und den ersten Brief verschicken. Natürlich antwortet nicht jeder, den man online anschreibt, und nicht aus jedem Chat entsteht auch eine Brieffreundschaft. Dennoch würde ich mir im Nachhinein doch zu etwas mehr Geduld raten. Schließlich möchte man im Idealfall langjährige Freundschaften aufbauen. Deshalb sollte sich Zeit genommen werden, um den anderen erstmal Kennenzulernen. Und sollte es nicht passen, kann man ruhig auch mal eine Brieffreundschaft ablehnen, auch wenn das vielleicht schwer fallen mag. Besser man ist zu Beginn ehrlich zu sich und der anderen Person, als dass man später nicht mehr antwortet oder keine Freude am Briefaustausch hat.

Außerdem ist es nicht zu überschätzen, dass das Briefeschreiben, je nachdem wie kunstvoll die Briefe dekoriert werden, viel Zeit in anspruch nehmen kann. Wenn man sich in einem ersten Übermut direkt mehrere neue Brieffreunde zulegt, so wie ich, können sich die Briefe schon mal auf dem Schreibtisch stapeln und man kommt gar nicht mehr hinterher mit dem Antworten, gerade wenn der Alltag mal stressig wird und man keine Zeit zum Basteln findet.

Ab wann kann man Adressen austauschen?

Sobald ich mich wohl mit einer Person fühtle und mehrere Nachrichren hin und her geschickt hatte, wollte ich die Geschräche natürlich nicht mehr digital führen, sondern verpackt in schöne Briefe. Meistens fragte ich, ob die andere Person auch bereit wäre und wir entschieden, wer den ersten Brief schreiben würde. Und dann ging es auch schon los.

Ich erhalte Briefe an meine private Adresse. Manche meiner Brieffreunde fühlen sich jedoch nicht wohl dabei ihre Adressen im Internet preiszugeben. Dafür eignet sich ein Postfach. Dieses kann man einfach bei der Deutschen Post mieten (aktueller Mietpreis: 22,90€ / Jahr) und kann dann statt der Adresse die Postfachnummer angeben. (z.B. Franz Fröhlich, Postfach 10 64 38, 53225 Bonn)

Teil der Snailmail Community

Ich bin sehr froh, dass ich damals über den besagten Instagram Post gestolpert bin. Durch ihn habe ich neue Freunde auf der ganzen Welt gefunden und jeden Morgen bin ich beim Gang zum Briefkasten ein wenig aufgeregt, ob ich eine neue Antwort erhalten habe. Und gerade im Jahr 2020, als es nicht möglich war die Welt zu bereisen, habe ich so doch viele neue Länder, Kulturen und Menschen kennengelernt. Mittlerweile schaue ich regelmäßig nach dem Hashtag #snailmail auf Instagram und lasse mich von der Kreativität der Community inspirieren.

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